Lübeck/Ratzeburg. Die evangelisch-lutherische Kirche in Lübeck und im Herzogtum Lauenburg steht vor weitreichenden strukturellen Herausforderungen. Sinkende Mitgliederzahlen, rückläufige Kirchensteuereinnahmen, hohe Instandhaltungskosten für kirchliche Gebäude und die wachsende Belastung von Haupt- und Ehrenamtlichen machen eine strategische Neuausrichtung notwendig. Ziel ist es, die kirchliche Arbeit auch in Zukunft zu sichern.
„Kirchliche Arbeit ist nicht primär eine Frage des Geldes“, betont Lübecks Pröpstin Petra Kallies. „Gottesdienst, Seelsorge und christliche Gemeinschaft sind die Grundpfeiler unseres Glaubens und nicht zwingend an große Finanzsummen gebunden. Dennoch hat die Kirche im Laufe der Jahrhunderte eine Struktur entwickelt, die finanzielle Mittel erfordert – und von der die Menschen in Stadt und Land profitiert haben und weiterhin profitieren.“
Anpassungen durch veränderte Rahmenbedingungen
Jährlich verliert der Kirchenkreis rund 5.000 Mitglieder – durch Austritte, aber auch aufgrund demografischer Entwicklungen. Dies führt zu weniger Kirchensteuereinnahmen und einer angespannten Haushaltslage. Bereits jetzt müssen viele Defizite durch Rücklagen ausgeglichen werden, die jedoch kontinuierlich schrumpfen. Insbesondere die bauliche Unterhaltung kirchlicher Immobilien stellt eine große Herausforderung dar.
Im Kirchenkreis gibt es 62 Kirchen, für deren Bauunterhaltung im Jahr 2024 rund 2,8 Millionen Euro notwendig gewesen wären. Für die 73 Gemeindehäuser hätten 2,0 Millionen Euro investiert werden müssen, während für die Bauunterhaltung der 78 Pastorate 1,2 Millionen Euro notwendig gewesen wären.
„Fakt ist: Wir können nicht mehr Geld ausgeben, als wir haben“, erklärt Pröpstin Kallies. „Als Kirche verkaufen wir keine Produkte und können daher nicht einfach neue Einnahmequellen erschließen. Unsere finanzielle Grundlage speist sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden – und diese sind rückläufig. Wir stehen vor der schwierigen Aufgabe, Einnahmen und Ausgaben wieder in Balance zu bringen und Prioritäten neu zu setzen.“
Weniger Gebäude – mehr Gestaltungsspielraum
Die aktuelle Finanzlage macht eine Reduzierung des Gebäudebestands notwendig. Rechnerisch reichen die verfügbaren Mittel künftig nur noch für die Unterhaltung von zwölf kirchlichen Standorten bzw. Gemeindezentren im Kirchenkreis. Ausgenommen sind die fünf Lübecker Altstadtkirchen, die von der Stiftung 7Türme+ betreut werden, sowie der Ratzeburger Dom.
„Durch die Konzentration auf weniger Standorte eröffnen wir uns neue Spielräume für die Gestaltung kirchlicher Arbeit“, so Pröpstin Kallies. „Unser Ziel ist es, trotz finanzieller Herausforderungen weiterhin lebendige Kirche zu bleiben, die den Menschen nahe ist.“
Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg steht vor einem grundlegenden Transformationsprozess. Diese Veränderungen sind notwendig, um die kirchliche Arbeit auch für zukünftige Generationen zu sichern und an die veränderten gesellschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen anzupassen.
Pröpstin Petra Kallies und Propst Philip Graffam berichteten der Kirchenkreis-Synode am 15. März 2025 in den Media-Docks in Lübeck. Die Synode berief einen Ausschuss, sich mit der zukünftigen Struktur und Ausrichtung der Kirche in Lübeck und Lauenburg zu befassen. Konkret ist unter anderem die Einrichtung eines Kompetenzteams, bestehend aus Haupt- und Ehrenamtlichen, beschlossen worden, um eine einheitliche Informationsgrundlage zu schaffen. Zwischen Mai und Mitte Oktober 2025 sollen überdies Informationsveranstaltungen für kirchliche Mitarbeitende in den Regionen stattfinden.