Propstei Lübeck Erste Lübecker Kirchengemeinden als "ökofair" zertifiziert

Die Lübecker Kirchengemeinden Marli-Brandenbaum und Luther-Melanchthon dürfen sich jetzt offiziell "ÖkoFaire Gemeinde" nennen. Copyright: Annkathrin Bornholdt

Lübeck. Fair und nachhaltig: Die Kirchengemeinden Luther-Melanchthon und Marli-Brandenbaum sind jetzt “ÖkoFaire Gemeinden”. Damit sind sie die ersten beiden evangelischen Kirchengemeinden in Lübeck, die diese Auszeichnung der Nordkirche tragen dürfen.

Mehr Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit

Vom fairen Bio-Kaffee und Schokoladen-Keksen über die Handseife mit Öko-Siegel bis zum Staubsauger aus recyceltem Plastik: In der Kirchengemeinde Marli-Brandenbaum achten Haupt- und Ehrenamtliche zunehmend darauf, wo die Dinge herkommen, mit denen sie täglich zu tun haben. “Wir haben uns auf den Weg gemacht und angefangen, uns mehr Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit in unserer Gemeinde zu machen”, sagt Antje Boesler aus dem Kirchengemeinderat von Marli-Brandenbaum.

Von Beginn an Leichtigkeit und Begeisterung

Und so sind Nachhaltigkeit und fairer Einkauf bereits in vielen Bereichen zur Normalität geworden. Das Trinkwasser für ihre Veranstaltungen sprudelt die Gemeinde selbst, für den Küster wurde ein E-Bike angeschafft, mit dem er die Strecken zwischen den Standorten zurücklegt. Bei den Kirchengemeinderats-Sitzungen gibt es zum Snacken zunehmend fleischfreie Alternativen. 

Pastor Björn Maagk freut sich über die positive Dynamik in seiner Gemeinde: “Es hatte von Beginn an eine Leichtigkeit und Begeisterung. Da war nichts Schweres oder Anstrengendes dabei, sondern die Begeisterung hat schnell viele angesteckt.” Und es schlummert noch viel kreatives Potential in der Gemeinde: Vom ökologischen Gärtnern bis zum Workshop für den Bau von Insekten- und Bienenhotels gibt es bereits viele Ideen, wie noch mehr Menschen mit eingebunden werden können.

Fair, ökologisch und sozial handeln 

Die Aktion "ÖkoFaire Gemeinde und Einrichtung" hat die Nordkirche gestartet, um Kirchengemeinden in ganz Norddeutschland dazu zu ermutigen, ihren Einkauf fair, sozial und ökologisch auszurichten. Anhand eines Kriterien-Katalogs, von dem zunächst mindestens 10 Punkte erfüllt werden müssen, erfolgt die Zertifizierung. Das Umwelt- und Klimaschutzbüro der Nordkirche hilft dabei, sich im Dschungel der zahlreichen Fair- und Öko-Siegel zurechtzufinden. Die überraschende Erkenntnis für beide frisch-zertifizierten Gemeinden in Lübeck: Sie übererfüllen bereits die nötigen Kriterien. 

Ökumene-Pastor Kai Feller überreicht im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg die Urkunden und Türschilder zur Zertifizierung und freut sich über jede Gemeinde, die neu dazu kommt: “Ich bin immer wieder begeistert vom Engagement der Haupt- und Ehrenamtlichen. Es ist einfach ein tolles Miteinander in den Gemeinden.”

Beglückendes Miteinander in der Gemeinde

“Der Klimawandel treibt mich um. Und ich denke, wenn jeder und jede an der eigenen Schraube ein bisschen dreht, dann haben wir schon viel geschafft”, fasst es Antje Boesler zusammen. Ihr Herz schlug schon vor 40 Jahren für “öko”. In den vergangenen Jahren hat sie sich angestoßen durch die Klimastreiks auch privat immer mehr danach ausgerichtet hat. “Es ist sehr beglückend und ein Geschenk, dass wir hier in unserer Gemeinde so miteinander an dem Thema arbeiten!”

Blauer Engel und vegetarisches Essen

Auch in der Gemeinde Luther-Melanchthon ist man auf dem Weg, fairer und ökologischer zu werden. “Unabhängig von der Zertifizierung ist es schon lange Thema bei uns in der Gemeinde. So haben sich zum Beispiel in den letzten Jahren verschiedene Gruppen entwickelt, wie ein Repair-Café, ein Kleidertausch und eine urbane Gartengruppe”, berichtet die Projektleiterin der Mehrgenerationen-Arbeit Gesa Hollaender. “Wir konnten bei der Zertifizierung bei vielen Punkten direkt einen Haken setzen”, ergänzt Pastorin Constanze Oldendorf. "Unser Gemeindebrief wird schon seit 10 Jahren auf Papier mit dem Blauen Engel gedruckt. Zudem haben wir viele Veranstaltungen, bei denen das gemeinsame Essen eine Rolle spielt. Da achten wir auf faire Produkte."

So gibt es zum Beispiel beim ”Luthertisch", einem Essens-Angebot für Menschen im Stadtteil, stets vegetarische Alternativen und einmal im Monat sogar rein vegetarisches Essen. Und auch in der langjährigen Partnerschaftsarbeit der Gemeinde mit Tansania spielt das Thema öko-fair eine große Rolle. “Schon lange trinken wir fair gehandelten Kaffee bei uns in der Gemeinde. Der direkte Kontakt nach Tansania macht uns die Auswirkungen unseres Verhaltens für Andere immer wieder bewusst”, sagt Heike Knaack, stellvertretende Vorsitzende im Kirchengemeinderat.

Bewahrung der Schöpfung für nachfolgende Generationen

Heidrun Schneeberg ist ehrenamtliches Kirchengemeinderatsmitglied und beschäftigt sich beruflich mit nachhaltiger Ernährung: "Nachhaltigkeit und fairer Handel sind wichtig, damit nachfolgende Generationen und andere Menschen gut auf dieser Erde leben können. Wo kommt eigentlich meine Schokolade her? Für so eine große Institution wie die Kirche, ist es wichtig, diese Fragen zu stellen." Und so ist es auch das Ziel, dass die “ÖkoFairen Gemeinden” mit ihrem Handeln in die Gesellschaft ausstrahlen.

“Es wird oft gesagt, es geht um den Erhalt der Schöpfung. Genau das ist so wahr und stark: Die Schöpfung trägt und hält uns. Sie gibt uns alles, was wir sind“, fasst Gesa Hollaender es zusammen. ”Vielleicht können wir auch andere Gemeinden dafür begeistern ökofair zu werden. Es ist gar nicht so schwer!"

Die Kirchengemeinde Luther-Melanchthon feiert ihre Zertifizierung am 28. April 2025 um 17.30 Uhr mit einem Fest bei Klaviermusik und Snacks im Gemeindehaus, Moislinger Allee 98. Dabei gibt es auch die Möglichkeit, sich über das Projekt “ÖkoFaire Gemeinde” zu informieren.

Mehr Infos zum Thema “ÖkoFaire Gemeinde” und zur Zertifizierung gibt es hier.