Kurznachrichten

Ratzeburg: „Neue Anfänge nach 1945?“ im Dom, bis 21.03.2017

Die Wanderausstellung „Neue Anfänge nach 1945? Wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen“ ist vom 14. Februar bis 21. März 2017 im Ratzeburger Dom, Domhof 35, zu sehen.

Die Wanderausstellung „Neue Anfänge nach 1945? Wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen“ ist vom 14. Februar bis 21. März 2017 im Ratzeburger Dom, Domhof 35, zu sehen. Die Ausstellung wird am Eröffnungstag um 19 Uhr durch Pröpstin Frauke Eiben und Historiker Dr. Stephan Linck eröffnet.

„Um selbstbewusst und wertschätzend mit der eigenen Geschichte umgehen zu können, ist ein realistischer Blick nötig. Besonders aus diesem Grund begrüße ich, dass die Ausstellung „Neue Anfänge nach 1945?“ durch die Kirchenkreise der Nordkirche wandert und uns anstößt auf unsere jüngere Geschichte zu achten“, sagt Pröpstin Frauke Eiben.

Heilung sei da möglich, wo Geschichte und Geschichten ehrlich geteilt werden, wo verstehen und Verständnis nicht verdecken, wo etwas undurchsichtig ist und Menschen aneinander schuldig geworden sind und wo Unrecht benannt wird. „Und das nicht aus einer belehrenden und besserwisserischen Haltung, sondern aus dem ehrlichen Bemühen aus der Geschichte zu lernen“, so Eiben weiter. Dieser Diskurs sei nicht nur in unserer Kirche, sondern in allen öffentlichen Einrichtungen und Verbänden die nach 1945 neu angefangen haben, wichtig. Sie sei froh, dass die Landeskirche dieses Thema aufnehme, wissenschaftlich bearbeite und durch die Ausstellung Menschen in das Fragen einbinde.

„Im vergangenen Jahr habe ich einige Wochen ein Praktikum im „Institute for Healing of memories“ in Südafrika gemacht. Der Leiter dieser Einrichtung, der anglikanische Pastor Michael Lapsley hat zwei Leitsätze für seine Arbeit, die auch für die Heilung der Vergangenheit in unserem Land wichtig sind: Jede Geschichte braucht einen Zuhörer, und das bedeutet auch: jede Geschichte sollte erzählt werden. Der zweite Grundsatz lautet: wenn das Gift der Verletzung, der Demütigung und des Unrechts nicht heraus kommt, nicht „ausgespuckt“ wird, wirkt es fort und eine Heilung ist nicht möglich. Schlimmstenfalls werden aus Opfern Täter“, sagte Pröpstin Eiben in ihrem Grußwort zur Eröffnung. Die Ausstellung „Neue Anfänge nach 1945“ helfe, diese beiden Sätze auf die Vergangenheit zu übertragen: „Sie erzählt Geschichte und Geschichten. Wir hören zu. Und sie macht das Gift sichtbar: Angst, Schuld, Schweigen, Verdrängen, Pragmatismus, Überforderung die vielfach verhindert haben dass es einen Neuanfang gibt. Für Täter und Opfer“.

Für die Propstei Herzogtum Lauenburg wurde als „Lokales Fester“ mit dem Thema „Vom Heldendenkmal zum Mahnmal“ die Gedenkkultur gewählt. „Neben vielen Veranstaltungen im Begleitprogramm ist mir die Podiumsdiskussion „Wohin steuert unsere Demokratie“ am 9. März in Schwarzenbek wichtig. Denn ein reflektiertes Verhältnis zur eigenen Geschichte ist Prävention gegen Populismus und Poltikverdrossenheit“.

Inhalt der Ausstellung:

70 Jahre nach Kriegsende blicken wir heute mit anderen Augen auf die Jahre des Wiederaufbaus. Staaten wurden neu gegründet, aber auch die Kirchen in Deutschland standen vor einem Neuanfang. Im „Kirchenkampf“ hatte sich der deutsche Protestantismus in eine „Bekennende Kirche“ und die so genannten „Deutschen Christen“ gespalten. Die Ausstellung bezieht sich vorrangig auf die NS- und Nachkriegsvergangenheit der evangelischen Landeskirchen in Hamburg und Schleswig-Holstein. In sechs Themenfeldern geht es darum, wie nach den Erfahrungen mit dem totalitären Staat um Wesen und Gestalt der Kirche gerungen wurde. Wie konsequent versuchte man, mit der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus zu brechen? Gezeigt wird der mühevolle Weg von Auseinandersetzung und Dialog über Jahrzehnte, der schließlich dazu führte, dass sich die Kirche selbstkritisch ihrer Vergangenheit stellt.

Ausstellungsbegleitende Veranstaltungen:
Am 17. und 18. Februar 2017 gibt es von 10 bis 16 Uhr ein „Erzählcafé“ der Telefonseelsorge. Und am 28. Februar 2017 hält Stadtarchivar Christian Lopau um 19 Uhr einen Vortrag mit dem Titel „Vom Heldendenkmal zum Mahnmal“. Die Podiumsdiskussion „Wohin steuert unsere Demokratie“ findet am 9. März um 19 Uhr im Rathaus Schwarzenbek, Ritter-Wulf-Platz 1, statt.

Weitere Infos zur Ausstellung gibt es hier: www.nordkirche-nach45.de.

Foto: Nürnberger Prozesse zwischen dem 20. November 1945 und dem 14. April 1949 gegen Verantwortliche des Deutschen Reichs während der NS-Zeit.
© Süddeutsche Zeitung Photoarchiv