Kurznachrichten

Lübeck: Buxtehude-Tage in der Innenstadt, bis 23.09.2017

Lübeck: Buxtehude-Tage in der Innenstadt, bis 23.09.2017

07.09.2017 - Vom 17.-24. September 2017 st Festival-Zeit in den Innenstadtkirchen Lübecks. Dann laden die Kirchenmusiker der Innenstadt zu den Lübecker Buxtehude-Tagen, die in diesem Jahr Martin Luther musikalisch  in den Mittelpunkt rücken. Unter dem Motto „Luther im Spiegel des Barock“ werden 18 Veranstaltungen, darunter große und kleine Konzerte (Mittagskonzerte jeden Tag 12 Uhr), Gottesdienste, Vorträge und ein Theater-Stück zu erleben sein.

Im Eröffnungskonzert am 17. September in St. Marien  begegnet uns die Kunst der Parodie: Wie wird aus einer Geburtstagskantate eine Weihnachtskantate, wie aus einer Hochzeitskantate eine Osterkantate? Buxtehude und Bach betrieben diese Praxis, wohl auch, weil nicht immer Zeit war, etwas ganz neues zu schreiben. Wie stark sind die Choralmelodien der Refomation? Und wie wird aus Martin Luther Jazz? David Timm, renommierter Künstler in vielen Genres, wird es uns zeigen. Das Eröffnungskonzert am 17.9.2017 in St. Marien mit anschließendem NACHKLANG bei Jazz und Wein beginnt um 17 Uhr.

Francesco Tristano gehört zu den erfolgreichsten jungen Pianisten unserer Zeit. Seine Projekte und Programme setzen immer wieder neue Akzente. Seine vielbeachtete Debut–CD bei der Deutschen Grammophon „A long walk“ verknüpft die Klaviermusik Dieterich Buxtehudes mit der Johann Sebastian Bachs und der seiner eigenen Kompositionen. Sie wurde zum großen Erfolg. Seither ist er weltweit auf den Bühnen der Konzerthäuser zu hören. Am 19. September um 19 Uhr wird er im Konzertsaal des Kolosseums zu erleben sein.

Der Dirigent und Buxtehude-Preisträger Ton Koopman mit seinem Amsterdam Barock Ensemble und hochkarätigen Gesangssolisten kommt am 20. September um 19 Uhr nach Lübeck. Im großen Abendkonzert in St. Marien wird Telemanns wiederentdecktes Reformations-Oratorium „Es wird ein Tag sein“ durch Ton Koopman seine Erstaufführung in Lübeck erleben.

Ohne die sogenannte „Düben-Sammlung“ in Stockholm würden wir einen Großteil der Musik Dieterich Buxtehudes und zahlreicher anderer Komponisten nicht kennen. Auf ca. 30 000 Seiten finden sich 2300 Werke von 300 Komponisten des 17. Jahrhunderts. Diese Sammlung geriet selbst in Vergessenheit, konnte aber 1880 durch Carl Stiehl wiederentdeckt werden und liegt heute in digitaler Form vor. Im Großen Konzert am 21. September um 19 Uhr in St. St. Jakobi  werden Ausschnitte aus der Sammlung  zu hören sein. Musiker aus Stockholm und Köln musizieren unter der Leitung von Stefan Parkman, Chordirektor des WDR-Rundfunkchores. Passend dazu wird die Buxtehude-Preisträgerin Kerala Snyder am Sonnabend, den 23. September ab 14.30 Uhr im Marienwerkhaus einen Vortrag halten, der unter anderem auch die Chorbibliothek der Marienkirche (heute im Wiener Musikverein) zum Thema hat.

Werke der Renaissance erklingen im Mittagskonzert „Die Kunst des Heinrich Scheidemann“ mit „Le Concert Brisé“ am Donnerstag, 21. September um 12:00 Uhr im Dom zu Lübeck. Der Name des Ensembles leitet sich vom englischen „Broken Consort“ ab. Dieser Begriff bezeichnet im weitesten Sinn eine Gruppe verschiedenartiger Instrumente. In diesem Fall handelt es sich um ein Kammermusikensemble, bei der Zink im Mittelpunkt steht. Die Musik, mit der das Ensemble sich beschäftigt, stammt hauptsächlich aus dem „goldenen Zeitalter“ des Zinks, der von 1580 bis 1630 in ganz Europa, besonders aber in Italien und in den deutschsprachigen Ländern seine Blütezeit erlebte. Heinrich Scheidemann (1596-1663), Schüler des Amsterdamer Organisten Sweelinck, war an St. Katharinen in Hamburg tätig und hinterließ ein facettenreiches Œuvre, in welchem die Bearbeitung von Werken befreundeter Kollegen eine wichtige Rolle spielten.
So besteht der Reiz des Konzerts von „Le Concert Brisé“ auch darin, dass Bearbeitungen von Werken Scheidemanns erklingen, welche bereits im „Original Scheidemanns“ eine Bearbeitung darstellten. Die Hörer erleben so den Prozess des „Weiterreichens“ einer alten und zuweilen auch fast vergessenen Kunst als einen Akt der Verlebendigung und können die ganze Frische der Musik von Scheidemann und seiner Zeit neu erfahren. Der Eintritt ist frei, um eine Kollekte wird gebeten.

Ebenfalls am Donnerstag, 21. September 2017 wird zu einem Workshop „Historische Blasinstrumente“ um 15:00 Uhr im Taufrund des Doms zu Lübeck mit William Dongois (Zink, Barocktrompete, Blockflöte) eingeladen. „Historische Instrumente“ können die Werke der jeweilige Zeit am besten wiedergeben. In der Zeit nach Luther sind Instrumente entwickelt worden, die weniger auf Klangstärke als auf Farbigkeit konzipiert waren, was zur Folge hat, dass sich die Gesangsstimme mit der Instrumentalstimme ganz harmonisch verbindet. Die Qualität des gleichberechtigten Musizierens steht heute wieder mehr im Vordergrund der Musikpraxis und so ist die Wahrnehmung der Musizierart früherer Epochen für uns besonders lehrreich. Mehr über die Zeit der Entstehung dieser Instrumente, über ihre Spielweise, über Verzierungstechnik und Improvisation wird in einem Workshop zu erfahren sein.
Die Veranstaltung wendet sich an alle, welche selbst ein Blasinstrument spielen, von der Blockflöte bis zur Posaune. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

Als Besonderheit sei das Kinder-Theater-Stück „Caecilia“ benannt, dass am Freitag, 22. September um 10 Uhr und um 15 Uhr in St. Marien gezeigt wird. Ton Koopmann und seine Tochter Marieke Koopman spielen die Geschichte der heiligen Caecilia (Patronin der Kirchenmusik) in ihrer eigenen Version und natürlich mit viel Musik für und mit Kindern ab 8 Jahre. Eine Anmeldung hierfür ist im Zentralbüro erwünscht (Tel: 0451 397700).

Mit einer musikwissenschaftlichen Vortragsreihe ergänzt die Internationale Dieterich Buxtehude-Gesellschaft e.V. das Programm. Diese beginnt am Sonnabend, 23.September  um 14.30 Uhr im Marienwerkhaus. Zu Gast ist u.a. die Buxtehude-Forscherin Kerala Snyder aus New Haven. Sie spricht über die Düben-Sammlung und die bedeutende Chorbibliothek der Lübecker Marienkirche. Eine musikalische Vesper in St. Jakobi am 23. September 17 Uhr mit Kantaten und Orgelwerken von Dieterich Buxtehude und ein großer Gottesdienst in der Ordnung der Buxtehude-Zeit am Sonntag, 24.September um 10 Uhr in St. Aegidien mit Teilen der Bachschen h-Moll-Messe ergänzen das Programm.  

Beim Abschlußkonzert am Samstag, 23. September um 19.00 Uhr im Dom zu Lübeck wird Hartmut Rohmeyer mit großbesetzten Werke der Renaissance und des Barock mit mehrchöriger Musik der Renaissance den Dom zum Klingen bringen. Musiker des Elbipolis Barockorchesters und der Capella de la Torre sind gemeinsam mit internationalen Gesangssolisten und den Sängern der Chöre am Dom zu erleben. Die Zuhörer und sind von den Ausführenden umgeben, welche von allen Seiten musizieren. Die Musik der Zeit nach Martin Luther wird durch Werke von Praetorius und Schütz vertreten sein. Dabei sollen die großen Lieder des Reformators mit einbezogen werden, welche von allen Anwesenden gemeinsam musiziert werden. Werke der Lübeck Marienorganisten Tunder und Buxtehude erklingen ebenso wie die Musik der Italiener Giovanni Gabrieli und Giovanni Rovetta. Das gesamte farbige Instrumentarium der Renaissance wird vertreten sein vom „Großbasspommer“, ein ganz tief und schnarrend klingendes Blasinstrument, mehr als drei Meter groß, bis zu den glanzvollen Barocktrompeten, Posaunen und Pauken, den Cornetti und Violinen. Es wirken Chöre mit, eine Vielzahl an Sängersolisten, Streicher, Orgeln, Dulziane, Lauten – es wird ein Fest der Klänge. Der Eintritt ist frei, um eine Kollekte wird gebeten.

Die Lübecker Buxtehude-Tage 2017 werden finanziell großzügig unterstütz durch die Possehl-Stiftung, die Sparkassenstiftung, die Buxtehude-Gesellschaft, die von Keller-Stiftung und durch die 4 Viertel-Stiftung. Veranstalter ist der Kirchengemeindeverband Innenstadt.

Das vollständige Programm gibt es hier: http://www.domzuluebeck.de/gemeinde/aktuelles/buxtehudetage_2017.html