Kurznachrichten

Lübeck: Ausstellung über Reformation und Geld, September 2017

Lübeck: Ausstellung über Reformation und Geld, September 2017

08.09.2017 - "Mut Macht Mensch" lautet das Motto, unter dem der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg ein Jahr lang zu Aktionen rund um das Thema Reformation einlädt. Das Hansemuseum bildet nun einen reizvollen Kontrast: Geld Macht Glaube lautet der Titel einer Ausstellung zum Thema Reformation und  Geld. Am 26. September 2017 wird diskutiert: "Gott und Geld – Guter Profit in Zeiten von Dieselgate" lautet der Titel einer Podiumsdiskussion mit Bischöfin Kirsten Fehrs und Prof. Dr. Johannes Merck.

Ein leises Murmeln empfängt die Besucherinnen und Besucher im Beichthaus des Europäischen Hansemuseums. Es handelt sich um das Vaterunser in lateinischer Sprache – ein Geräusch, das vor 500 Jahren fest zu diesem Ort gehörte. Im Beichthaus des ehemaligen Maria-Magdalenen-Klosters nahmen die Dominikaner-Mönche den Lübeckern die Beichte ab. Gleichzeitig waren sie in das Geschäft mit dem Ablass involviert.

Schon beim Ablasshandel ging es Anfang des 16. Jahrhunderts ums Geld. Während sich die Gläubigen von ihren Sünden freikaufen wollten, rieben sich die römische Kirche und zahlreiche Fürsten angesichts der enormen Einnahmen die Hände. Luthers Vorwurf gegen die Kirche zielte somit auch auf einen wirtschaftlichen Betrug.

Die dritte Sonderausstellung „Geld. Macht. Glaube“ des Europäischen Hansemuseums, die gemeinsam mit dem Historiker Dr. Tillmann Bendikowski von der Medienagentur Geschichte realisiert wurde, greift die ökonomischen Aspekte der Glaubensspaltung auf und widmet sich damit einem bislang wenig betrachteten Teil der europäischen Geschichte. Anhand von Schautafeln, zwei Touchscreens und ausgewählten Exponaten, die u.a. aus dem St. Annen-Museum Lübeck stammen, wird aufgezeigt, welche Folgen die Reformation für Wirtschaft und Handel in Europa besaß.

Mit der Reformation begann zugleich der Streit um den wertvollen Besitz der Kirche: Wem gehörten eigentlich die Klöster und die vielen anderen Immobilien der Kirche? Was sollte aus dem Schatz der Kirchen werden? Dieser Streit wurde zwischen dem protestantischen und katholischen Lager gerade in Deutschland erbittert geführt – es ging um viel Geld.

Über ein besonderes Exponat eröffnet die Schau dabei auch einen Lübeck-Bezug: Eine vergoldete Monstranz aus St. Aegidien aus der Zeit um 1500, die einst der Vernichtung des Lübecker-Kirchenschatzes entging, weil sie aus Kupfer bestand, erzählt heute vom Umgang mit dem Kirchenbesitz in der Hansestadt.
Von Exkursen in die Lübecker Geschichte abgesehen hat sich die Ausstellung insbesondere einer europäischen Perspektive verschrieben, denn der Kontinent erlebte zahlreiche Reformationen, und früh waren Religionsflüchtlinge eine europäische Realität. Diese Fluchtbewegungen veränderten ihrerseits die Wirtschaftswelt – Migranten brachten technisches Knowhow in ihre neuen Heimaten und manche Herrscher setzen daher aus ökonomischer Vernunft auf eine intelligente Einwanderungspolitik, andere auf strikte Abschottung.

Doch darüber hinaus markierte die Glaubensspaltung den Beginn einer religiösen Toleranz in Europa. Für diese gab es praktische Gründe: Je toleranter ein Land auftrat, desto besser war es für seine ökonomische Entwicklung. Eine Einsicht, die heute wieder aktueller denn je ist.

Dank des interaktiven Ausstellungsdesigns sind am Ende der Ausstellung die Besucherinnen und Besucher gefragt: Sie haben die Gelegenheit, anhand von neun Fragen ihre persönliche Einschätzung über die Reformation und den heutigen Zusammenhang von Geld und Glauben mitzuteilen.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm setzt die Auseinandersetzung mit dem Reformationsjubiläum fort. Erstmals werden für diese Sonderausstellung auch öffentliche Führungen angeboten und Gruppen haben die Möglichkeit, sich für diese anzumelden. Der Ausstellungseintritt beträgt 5 EUR (ermäßigt 2,50 EUR), zugleich gibt es attraktive Kombi-Preise mit der Dauerausstellung und dem Baudenkmal Burgkloster. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband, der für 13,80 EUR im Museumsshop erhältlich ist und Platz für eigene Notizen bietet.

Die Ausstellung findet statt im Rahmen von Luther 2017 – 500 Jahre Reformation

Begleitprogramm zur Ausstellung (Auswahl):

Donnerstag, 21.9. und Samstag, 7.10. um 16.00 Uhr und Samstag, 4.11. um 15.00 Uhr: Kuratorenführung durch die Ausstellung mit Dr. Tillmann Bendikowski, Treffpunkt: Beichthaus, Kosten: 4,00 Euro plus Eintritt.

Donnerstag, 14.9 um 19.00 Uhr: Luthers Lübeck – Einführung und Folgen der Reformation in der Hansestadt, Abendvortrag mit musikalischer Begleitung von Prof. Dr. Arnd Reitemeier, Göttingen. In Kooperation mit dem Verein für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde Ort: St. Aegidien, Eintritt frei.

Freitag, 22.9. um 19.30 Uhr: Bach, Buxtehude, Telemann und Böhm – Martin Luther und die deutsche Barockmusik, Konzert mit Ulla Rönnborg (Cello) und Andrej Naumovich (Cembalo), Kosten: 12,50 Euro,  erm. 11,00  Euro.

Dienstag, 26.9. um 19.00 Uhr: Gott und Geld – Guter Profit in Zeiten von Dieselgate, Podiumsdiskussion mit Bischöfin Kirsten Fehrs und Prof. Dr. Johannes Merck. Fortsetzung der Veranstaltungsreihe „Grenzenlos erfolgreich?“, Eintritt frei.

Samstag, 30.9. um 19.30 Uhr: MUSIK macht MACHT. Kompositionen für Friedrich den Weisen, Konzert mit dem Ensemble Weser-Renaissance Bremen, Kosten: 18,50 Euro, erm. 14,50 Euro

Dienstag, 10.10. um 19.00 Uhr: „Alhambra“, Lesung mit Kirsten Boie für Jugendliche und Erwachsene, Kosten: 7,00 Euro, erm. 5,00 Euro.

Samstag, 11.11. von 10.00 bis 17.30 Uhr: „Den Papst und den Teufel zu ärgern…“ – Luther in der Literatur, Tagung des Buddenbrookhauses, des Günter-Grass-Hauses und des Europäischen Hansemuseums mit anschließender Podiumsdiskussion, Eintritt frei.

Sonntag, 26.11. um 17.00 Uhr: Finissage der Sonderausstellung „Geld. Macht. Glaube“, Abschluss und Fazit mit dem Kurator Dr. Tillmann Bendikowski, Eintritt frei.

Öffentliche Führungen

September 14.9. | 19.9. | 28.9.
Oktober 3.10. | 12.10. | 17.10. | 26.10. | 31.10.
November 9.11. | 14.11. | 23.11.
jeweils 17.00 Uhr
Kosten: 4,00 Euro plus Eintritt, Gruppenführungen auf Anfrage
Anmeldung für alle Veranstaltungen im Europäischen Hansemuseum unter invitation@hansemuseum.eu und Tel. +(49) 451/ 8 09 09 90.