Kurznachrichten

Kirchenkreis: Ausstellung über Lübecker Kirchtürme in St. Marien, bis 30.07.2017

 „Oben ohne? Wie die Lübecker ihre sieben Türme retteten“ heißt die neue Ausstellung in der Lübecker Marienkirche. Sie ist bis zum 30. Juli 2017 zu sehen.

„Oben ohne? Wie die Lübecker ihre sieben Türme retteten“ heißt die neue Ausstellung in der Lübecker Marienkirche. Sie ist bis zum 30. Juli 2017 zu sehen. Der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg wirft anlässlich des 75. Jahrestages der Bombardierung Lübecks an Palmarum 1942 einen Blick auf den Wiederaufbau der Innenstadtkirchen.

„Dass die sieben Kirchtürme auch heute noch weit sichtbar in den Himmel ragen, grenzt an ein Wunder“, sagt Pröpstin Petra Kallies. „Drei der fünf mittelalterlichen Kirchen brannten während der Bombennacht 1942 vollständig aus, ihre Kirchtürme stürzten ein. Ein unermesslicher Schaden, der inmitten der größten menschlichen Not aber eigentlich überhaupt keine Rolle spielen konnte.“ Mehr als 15 000 Lübecker wurden in dieser Nacht obdachlos, mehr als 300 starben. Die folgenden Kriegs- und Nachkriegsjahre brachten zudem immer mehr Menschen auf ihrer Flucht in die Stadt an der Trave.

Und dennoch: Bereits 1947 formierte sich ein großes Bündnis in der Stadt zur Rettung der Kirchen. Die Marienkirche wurde zu einem großen Symbol: lübsche Herzenssache, religiöses Leuchtfeuer und politisches Statement. 40 Jahre lange haben die Lübecker ihre Kirchen wieder aufgebaut. Seit 1987 steht die Altstadt Lübecks mit ihrer ganz besonderen Silhouette auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes. All das zeigt die Ausstellung „Oben ohne? Wie die Lübecker ihre sieben Türme retteten“.
„Es ist uns wichtig, des 75. Jahrestages der „Palmarum-Nacht“ zu gedenken“, sagt Pröpstin Petra Kallies. „Wir erinnern uns an den Wahnsinn und Unsinn des Krieges und müssen ja leider sagen, dass Krieg und Gewaltherrschaft, Zerstörung und Vertreibung nach wie vor hochaktuelle Themen sind.“ Dem Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg sei es wichtig, nicht im trauernden Gedenken stehen zu bleiben. „Der gelungene Wiederaufbau ist eine mutmachende Erinnerung daran, dass Tod und Zerstörung nicht das letzte Wort haben.“, so Kallies. „Vielleicht ist es auch eine Ermutigung für die Flüchtlinge heute, dass nach einer politischen Wende in ihrer Heimat ein Neubeginn nicht nur nötig, sondern auch möglich ist.“

An acht Stationen erwartet die Besucher vor allem historisches Bildmaterial. Wer heute durch die Altstadt spaziert, kann sich nicht mehr vorstellen, wie Lübeck lange Jahre ausgesehen hat. Erst zwischen 1956 und 1961 wurden die Turmhelme von St. Marien, dem Dom zu Lübeck und St. Petri gebaut. Die Ausstellung zeigt viel unbekanntes Bildmaterial aus verschiedenen Archiven. Dr. Karen Meyer-Rebentisch und Dr. Jan Zimmermann haben „Oben ohne?“ kuratiert. Markus Endreß hat die Ausstellung gestaltet. Die Kirchenbauhütte des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg hat „Oben ohne?“ einen eindrucksvollen Rahmen gegeben. Mehr als vier Meter ragen Baugerüste in die Höhe. Sie halten nicht nur die Ausstellungstafeln, sondern sind auch Symbol für die harte Arbeit über Jahrzehnte. Die Kirchenbauhütte des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg arbeitet seit 1951 an den Kirchen. Die Kriegsschäden sind zwar Geschichte, aber die Arbeit hört nicht auf. Vor einigen Jahren hat der Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg die Kampagne „Sieben Türme will ich sehen“ ins Leben gerufen. Sie ist eine gemeinsame Aktion mit den Kirchengemeinden der Innenstadt, um die Türme auch künftig zu erhalten. St. Marien, der Dom, St. Aegidien, St. Jakobi und St. Petri bilden sind eine Dauerbaustelle.

Die Ausstellung „Oben ohne? Wie die Lübecker ihre sieben Türme retteten“ ist bis zum 30. Juli 2017 zu den Öffnungszeiten der Marienkirche zu sehen. Weitere Infos dazu gibt es auf der Internetseite der Mariengemeinde. Neben dem Marientaler wird kein weiterer Eintritt zur Ausstellung erhoben.

 

Stichwort "Palmarum 1942"

Einstürzende Kirchtürme, brennendes Gebälk, zerborstene Glocken: Lübeck liegt an Palmarum (Sonntag vor Ostern) 1942 in Trümmern. Eine neue Stufe der Bombardierung durch die Briten zerstörte in der Nacht auf den 29. März 1942 die einst stolze Hansestadt. Eine Woche vor Ostern, an Palmarum, waren Lübeck und die  jahrhundertealte Geschichte in Schutt und Asche gelegt. Mehr als 300 Menschen starben, fast 800 wurden verletzt, mehr als 15000 Menschen wurden ausgebombt. 1500 Häuser wurden zerstört, die Hälfte der Innenstadt schwer in Mitleidenschaft gezogen. St. Marien, St. Petri und der Dom brannten. Besonders schlimm traf es die Marienkirche. Stundenlang wütete hier das Feuer. Die Glocken stürzten aus dem brennenden Südturm herab.

Der Schriftsteller Thomas Mann, Lübecker im Exil, sagte einige Tage nach Palmarum 1942 „Das geht mich an. Es ist meine Vaterstadt. Aber ich denke an Coventry und habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss.“

Am 14. November 1940 hatte die gewaltige Wucht deutscher Bomben die Kathedrale von Coventry vernichtet. Nur die Außenmauern der eindrucksvollen Kirche mitten in England blieben stehen. Auch die Innenstadt Coventrys existierte am Morgen nach der Bombennacht im November 1940 nicht mehr: 550 Menschen kamen bei dem Angriff der Deutschen ums Leben. 4330 Häuser wurden vernichtet, unersetzliche Kulturgüter waren auf immer verloren.

Die Bombardierung Lübeck war die Antwort der Briten auf das deutsche Bombardement Coventrys 16 Monate zuvor und die nachfolgenden Angriffe auf London und andere britische Städte in den Jahren 1940/41: Ein Gegenschlag der deutschen Luftwaffe folgte einen Monat nach dem Angriff auf Lübeck. Auch Exeter, Barth, Norwich und York wurden durch deutsche Bomben zerstört.

 

2017 03 10 Ausstellung Oben ohneDie Ausstellungsmacher

Dr. Karen Meyer-Rebentisch, Dr. Jan Zimmermann und Markus Endreß haben die Ausstellung zum Wiederaufbau der Lübecker Altstadtkirchen gemeinsam konzipiert.

Die Historikerin Dr. Karen Meyer-Rebentisch arbeitet als Ausstellungsmacherin zu zeithistorischen Themen, leitet die Gedenkstätte Lutherkirche Lübeck und ist Buchautorin und Journalistin.

Dr. Jan Zimmermann arbeitet als Historiker zu zeit- und fotogeschichtlichen Themen. Dazu betreibt er die auf historisches Bildmaterial spezialisierte Bildagentur Vintage Germany, aus deren Bestand auch die Ausstellung schöpft.

Markus Endreß ist Inhaber der Faszinovum Werbeagentur und erfahrener Grafikdesigner. Mit seiner Agentur berät er kleine und mittelständische Unternehmen sowie Institutionen beim Markenaufbau und unterstützt sie bei der Umsetzung von Marketingmaßnahmen.

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