Kurznachrichten

Pastorin Elisabeth Hartmann-Runge: Flucht ist ein Menschheitsthema

Pastorin Elisabeth Hartmann-Runge: Flucht ist ein Menschheitsthema

24.03.2017 - In Flucht ist ein Menschheitsthema. Wir sind mittendrin. Wohin wir sehen und hören: Armut, Zerstörung der Lebensgrundlagen, Gewalt und Kriege treiben Menschen weltweit in die Flucht. Über 60 Millionen Menschen auf der Erde werden Flüchtlinge genannt. Seit die Anzahl der in Europa Schutzsuchenden sprunghaft angestiegen ist, wird von der Flüchtlingskrise gesprochen.

Krisenzeiten sortieren sich auch bei uns Christinnen und Christen Wahrnehmungen, Maßstäbe und Entscheidungen neu. Wohin können Menschen fliehen? Was geschieht auf der Flucht? Welche Perspektiven haben sie? Wie gelingt das Miteinander von Aufnahmegesellschaft und Hinzukommenden?

Mit dem Thema Flucht wird der Blick auf das Thema Grenzen und Ressourcen gelenkt, und verbunden damit ist die Frage nach den Menschenrechten und ihrer Umsetzung gestellt. Fragen, die an die Fundamente der Gesellschaften ,ihre humanitären Ansprüche und ihre religiösen Botschaften rühren.

Wofür stehen wir als Christ_innen und als Evangelische Kirche? Eine Frage zur Selbstreflexion und eine Frage, um Auskunft zu geben , einzuladen und glaubwürdig zu sein. Kirche mit anderen wird konkret. Es entstehen neue Begegnungsräume.  Für manches brauchen wir Sprach- und Kulturmittler.

Wir sind nicht mehr „unter uns“. Die „anderen“  aus fremden Ländern und Kulturen  sind da und suchen Unterstützung. Kirchengemeinde kann sich bewähren als kommunizierende Gemeinschaft und Netzwerk. Menschen, die uns  von ihren Fluchterfahrungen erzählen, werden zu „Nächsten“. An ihrer Seite erleben wir mit, wie Asyl- und Aufenthaltsrecht funktioniert. Durch sie werden auch wir verbunden mit dem Geschick all derer, die es nicht bis zu uns geschafft  haben, und wir sehen genauer hin zu den  Grenzen und Zäunen.

Manche kommen auch in unsere Gottesdienste. Sie möchten  dazugehören und sich taufen lassen. Wir begreifen durch sie, welch Wagnis es ist, sich zu Christus zu bekennen. Klagepsalmen und  Heilszusagen klingen neu, nahrhafter.

Wir entdecken gemeinsam: Das Menschheitsthema „Flucht“ durchzieht die heiligen Texte der jüdisch-christlichen Tradition von der Vertreibung aus dem Paradies bis hin zu Hoffnungstexten, die aufgrund religiöser Verfolgung  in der Verbannung entstanden sind und einen neuen Himmels und eine neue Erde verkünden.

In diesem Geschehen verändert sich Kirche. Unsere Gebete werden konkreter, vielleicht auch inständiger. Unser Mut, kritische Fragen zu stellen und Unrecht beim Namen zu nennen, kann wachsen.

Durch Kirchenasyl stehen wir ein für Schutz und Menschenwürde, auch wenn wir dabei dem Staat gegenüber ungehorsam werden.

Und die Botschaft der Engel „Fürchtet euch nicht“ kann uns tragen und Brücken bauen im Dialog auch mit Andersdenkenden und anderen Religionen.