Kurznachrichten

Hier stehe ich! Was sagt denn die evangelische Kirche zu...?

Hier stehe ich! Was sagt denn die evangelische Kirche zu...?

22.02.2017 - Was sagt denn die evangelische Kirche zu……? Diese Frage wird immer wieder an uns als Christinnen und Christen herangetragen. Egal, ob es um den Schutz des ungeborenen Lebens oder um Sterbehilfe geht, an vielen Wendepunkten des Lebens zwischen Anfang und Ende, aber auch bei anderen brisanten Themen stellt sich die Frage nach einer evangelischen Position.

Der gläubige Mensch kann nicht schweigen, wenn es um den Menschen geht. Im Jubiläumsjahr der Reformation werden Theologinnen und Theologen unter der Überschrift „Hier stehe ich!“ evangelische Standpunkte formulieren zu Fragen, die uns aktuell besonders bewegen. Beginn ist am Aschermittwoch 2017. Pröpstin Petra Kallies formuliert ihren Standpunkt zum Thema Rechtspopulismus. In der Woche darauf folgt am Mittwoch, dem 8. März Pröpstin Frauke Eiben mit einem Standpunkt zum Thema Gerechtigkeit. Das Motto „Hier stehe ich!“ erinnert an den Reformator Martin Luther, der vor 500 Jahren seine Meinung über den Glauben, die Bibel und unsere Haltung dazu furchtlos formuliert – und damit die Reformation ausgelöst hat. Die Reihe „Standpunkte“ ist eine von vielen Aktionen, die unter der Überschrift „Mut Macht Mensch“ im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg das Reformationsjubiläum in die heutige Zeit übertragen.

Aber: DIE EINE evangelische Position gibt es nicht. Das liegt nicht etwa daran, dass sich evangelische Christinnen und Christen nicht einigen könnten. DIE EINE evangelische Position gibt es nicht, weil nach evangelischem Verständnis jeder Christ seinem eigenen Gewissen gegenüber verantwortlich ist. Die Erkenntnis der Reformatoren war: Nicht die Kirche gibt vor, was zu glauben ist, sondern jeder einzelne Mensch soll selber denken und sich ein eigenverantwortliches Urteil bilden. Immer in Auseinandersetzung mit der Bibel und der Botschaft von Jesus Christus. Evangelische Positionen entstehen immer dort, wo ernsthaft darum gerungen wird, heutige Fragestellungen im Sinne der christlichen Botschaft zu beantworten.

Manchmal kommt es da innerhalb der evangelischen Kirche zu unterschiedlichen Einsichten und Akzenten. Das ist aus unserer Sicht kein Fehler, sondern eine Chance zur Diskussion. Denn es ist typisch evangelisch, dass die eigene Meinungsbildung im Dialog geschieht. So diskutiert und entscheidet der mehrheitlich ehrenamtlich besetzte Kirchengemeinderat beispielsweise über die Frage, wie man die Integration von Flüchtlingen unterstützen kann.

In einer Gemeindeversammlung werden dazu Stimmen eingefangen. Manchmal bilden sich Arbeitsgruppen in den Diensten und Werken, die sich mit Themen wir Trauer oder Einsamkeit auseinandersetzen. Vor Themensynoden werden Experten eingeladen und in Arbeitsgruppen Vorlagen erarbeitet. Haupt- und Ehrenamtliche ringen so gemeinsam immer wieder neu um evangelische Standpunkte zu wichtigen Fragen des Lebens. Auf dieser Seite nun werden kirchliche Amtsträger ihre Position zu einem Thema veröffentlichen. Wir wollen damit zu einer Diskussion im Namen der Kirche anregen mit dem Ziel, dass sich evangelische Christinnen und Christen ihr eigenes Bild machen und eine eigene Position vertreten können.

Der Beginn am 01.03.2017 ist kein Zufall. Wir beginnen am Aschermittwoch, dem Beginn der Fastenzeit. Sieben Wochen lang - bis Ostern -verzichten Christinnen und Christen 40 Tage lang lang auf etwas, das ihr Leben beschwert. Zigaretten. Fettes Essen. Böse Worte. Oder sie ergänzen ihr Leben sieben Wochen lang um etwas, dass es reicher macht. Sport. Ein tägliches Kompliment. Ein täglicher Spaziergang. Oder eben eine Meinung zu einem komplexen Thema. Zur Fastenzeit gehört auch, über den Glauben und über das eigene Leben nachzudenken. Dazu wollen wir anregen.

Sieben Wochen mit Standpunkten. Machen Sie mit!