Kurznachrichten

Kirchenkreis: Musik-Reihe Cantate im Reformationsjahr, bis 07.01.2018

Kirchenkreis: Musik-Reihe Cantate im Reformationsjahr, bis 07.01.2018

20.12.2016 - Martin Luther war ein Mann der Worte und der Musik. Da liegt es nahe, das Jubiläumsjahr mit einer Veranstaltungsreihe zu feiern, die beides miteinander kombiniert: Unter der Überschrift „Cantate“ werden im Jubiläumsjahr 2017 im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg 74 Kantaten-Gottesdienste zwischen Ostsee und Elbe gefeiert. „Vom 1. Januar bis 31. Dezember 2017 wird in insgesamt 27 Kirchen des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg das reiche musikalische Erbe der Reformation  in besonderer Weise gepflegt und kompakt in den Dienst der Verkündigung gestellt“, sagt Kreiskantor Hans-Martin Petersen.  An jedem Sonn- und Festtag finden ein oder mehrere Kantaten-Gottesdienste statt, die ein großes kirchenmusikalisches Spektrum aufnehmen. „Das Repertoire reicht von  Liedern der Reformationszeit, Motetten, Kantaten, über Singspiele bis zum Reformationsmusical „Reforwas?“ für Kinderchor und Instrumente“, ergänzt seine Kollegin aus der Propstei Lauenburg, Ulrike Meyer-Borghardt.

Martin Luther sang, spielte und dichtete Liedtexte, Kirchenlieder waren eine der schärfsten Waffen der Reformation. „Ein feste Burg ist unser Gott“ kann durchaus als einer der ersten Protestsongs Deutschlands bezeichnet werden. Der Reformator studierte nicht nur Theologie, sondern an der Erfurter Universität auch Musik und Kontrapunkt, eine Sanges- und Kompositionstechnik. Er spielte die Laute und musizierte so gut, dass er in einigen Schriften als „musicus et philosophus eruditus“, als gelehrter Musiker und Philosoph, bezeichnet wurde. In Wittenberg führte er den deutschsprachigen Gemeindegesang im Gottesdienst ein. „Schon bald hielt man in eigenen Gesangbüchern die gedruckten Lieder fest – ebenso Gebete, liturgische Gebräuche sowie erklärende und reflektierende Texte“, sagt Pröpstin Petra Kallies, selbst eine begeisterte Sängerin.

Das Singen wurde zum Markenzeichen der Protestanten. Luthers Choral „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“  wurde schon bald nach seiner Veröffentlichung 1523 als reformatorisches Bekenntnislied verstanden und verwendet. „Im Advent 1529 stimmten Bürger in St. Jakobi und St. Aegidien bei Gebeten, die ihnen zu katholisch erschienen, dieses lutherische Lied an und übertönten den katholischen Prediger“, so Kallies. Als „Lübecker Singekrieg“ ging dieser Protest in die Reformationsgeschichte ein. „Im gesamten Reichsgebiet gab es Unruhen in der Auseinandersetzung der reformatorischen Bewegung, aber diese öffentlichkeitswirksame Agitation ist in diesem Umfang nur aus Lübeck überliefert.“

Doch auch versöhnliche Lieder von Luther wurden ein Hit: „Vom Himmel hoch“ ist seit seiner Veröffentlichung 1535 eines der meistgesungenen Kinderlieder. Als Luther 1546 starb, hatte er im Jahr zuvor noch das bis dahin umfangreichste lutherische Gesangbuch mit einer Vorrede versehen: das Babstsche Gesangbuch. Bis ins 18. Jahrhundert orientieren sich lutherische Gesangbuchausgaben an dieser Sammlung. Und noch heute ist Luther der am stärksten vertretene Lieddichter in evangelischen Gesangbüchern.

Luther hat  somit nicht nur die Theologie, sondern auch die Musikgeschichte nachhaltig beeinflusst. „Der große Liedschatz der Reformatoren und die daraus entstandenen geistlichen Werke des 16. Jahrhunderts haben in der evangelischen Kirche eine große Tradition entstehen lassen, die weltweit ihres Gleichen sucht“, betonen Petersen und Meyer-Borghardt. Davon zeugen Namen wie Heinrich Schütz, Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn. „Ihre bedeutenden Werke sind bis heute wiederkehrender und überaus beliebter Bestandteil unserer Gottesdienste, sie haben viele Generationen von Musikern zur Fortsetzung dieser Tradition angeregt, so dass uns heute ein reiches Angebot aus fünf Jahrhunderten für einen ganzjährigen Zyklus vorliegt.“

Die Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg knüpfen mit ihrem ganzjährigen Zyklus „Cantate 2017“ an diese Tradition an und beleben sie neu. Unter ihrer Leitung werden Sängerinnen und Sänger der Kantoreien, Kinder-, Jugend- und Posaunenchöre vereint, dazu kommen Gesangsolisten und weitere Instrumentalisten. „Auch Freunde der Kirchenmusik, die nicht festes Mitglied in einem Chor oder Orchester sind, können sich beteiligen, indem sie bei einer der Veranstaltungen „zum Mitsingen“ oder „zum Mitspielen“ mitwirken“, sagt Kirchenmusiker Eckhard Bürger. Die Veranstaltungsreihe „Cantate“ bietet jeden Sonn- und Feiertag die Chance, eine andere Facette der Kirchenmusik kennenzulernen. „Ich freue mich besonders, dass sich dieses Mal besonders viele Kinder- und Jugendchöre an dem Zyklus beteiligen“, so Bürger.

„Kirchenmusik spielt in unserem Kirchenkreis eine große Rolle und wird von uns daher besonders finanziell gefördert“, sagt Pröpstin Petra Kallies. Die Reihe Cantate 2017  ist eine Fortsetzung der erfolgreichen Kantaten-Zyklen Bach 2000, Missa 2002, Psalmen 2004 und Buxtehude 2007, Cantate 2010 in Lübecks Kirchen. 2012 fand der erste Zyklus im fusionierten Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg statt. „Ich freue mich sehr, dass für 2017 wieder eine vielseitige Konzertreihe die Besucher einlädt, diesen Kirchenmusikalischen Schatz kennenzulernen.“

In den Weihnachtsgottesdiensten werden Flyer mit den Terminen verteilt oder zur Mitnahme ausgelegt. Alle Termine und weitere Informationen stehen auf der Internetseite des Kirchenkreises unter www.kirche-LL.de

Bildunterschrift:

Sie freuen sich auf das 74 musikalische Gottesdienste im Reformationsjahr: KMD Hans-Martin Petersen, Pröpstin Petra Kallies, Ulrike Meyer-Borghardt, Eckhard Bürger.